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Wenn Reformen am Personal scheitern

Mental Health: Warum die Steiermark auf eine neue Versorgungskrise zusteuert

Bettina Schoeller, NEOS-Gesundheitssprecherin | Maria Schnabl

Der österreichweite Ausbau vollfinanzierter Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlung ab 2026 ist ein wichtiger Schritt für die psychische Gesundheitsversorgung. Endlich wird der Zugang zu dringend benötigter Behandlung einfacher, unbürokratischer und für viele Menschen überhaupt erst leistbar. NEOS-Gesundheitssprecherin und Klinische Psychologin Bettina Schoeller bezeichnet diese Entscheidung zu Recht als Meilenstein. Doch so erfreulich diese Reform auf Bundesebene ist, so deutlich zeichnet sich bereits jetzt ein massives Problem ab: Es fehlt das Personal, um dieses Angebot auch tatsächlich umzusetzen. 

Denn was politisch lange ignoriert wurde, wird nun schlagend. Die Ausbildungssituation für Klinische Psycholog:innen und Gesundheitspsycholog:innen ist seit Jahren angespannt – und spitzt sich weiter zu. Viele Absolvent:innen schließen ihre theoretische Ausbildung ab, finden aber keine verpflichtende praktische Ausbildungsstelle. Wartezeiten von einem Jahr oder mehr sind keine Ausnahme, sondern Realität. Gerade in landesnahen Einrichtungen wie der KAGes sind diese Engpässe besonders deutlich. „Wenn die gesetzlich vorgesehene Ausbildungszeit überschritten wird, dann liegt das nicht an mangelnder Motivation, sondern an einem Systemversagen“, stellt Schoeller klar. 

KAGes in der Pflicht

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Bundesweit befinden sich bis zu 800 Personen in der Fachausbildung, aber nur rund 200 können tatsächlich eine praktische Stelle antreten. Gleichzeitig gehen jedes Jahr mehr Klinische und Gesundheitspsycholog:innen in Pension, als neu ausgebildet werden. In der Steiermark schließen jährlich nur rund 48 Personen ihre Ausbildung ab – viel zu wenig, um den steigenden Bedarf zu decken. Besonders paradox ist die Situation bei der KAGes: Trotz tausender Mitarbeiter:innen und einer offiziell als Mangelberuf geführten Berufsgruppe werden nur wenige Vollzeitäquivalente neu ausgebildet. 

Die Folgen dieses strukturellen Versagens sind für Patient:innen längst spürbar. Wartezeiten von sechs bis acht Monaten auf klinisch-psychologische Diagnostik sind inzwischen Alltag. Schulen, psychosoziale Einrichtungen und Gesundheitseinrichtungen können dringend benötigte Stellen nicht besetzen. Das bedeutet: Menschen warten länger auf Hilfe, Erkrankungen verschärfen sich, und die Kosten für das System steigen langfristig weiter. 

Ausbau vorantreiben

Aus Sicht von NEOS ist klar, wo die Verantwortung liegt. Während Bund und Sozialversicherungen mit der Finanzierung der Kassenplätze ihre Hausaufgaben machen, bleibt das Land dort säumig, wo es selbst Träger und Dienstgeber ist. „Die Landesregierung schlittert sehenden Auges in die nächste Personalkrise“, warnt Schoeller. Wer neue Versorgungsangebote schafft, muss auch dafür sorgen, dass ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen. 

NEOS fordern daher einen deutlichen Ausbau der praktischen Ausbildungsstellen in allen landesnahen Einrichtungen sowie eine bessere Koordination mit dem AMS, um angehende Klinische Psycholog:innen rascher in die Versorgung zu bringen. Darüber hinaus braucht es eine strategische Personalplanung statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen. Psychische Gesundheit darf nicht länger als Randthema behandelt werden – sie ist ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung. 

Ganzheitlich denken

„Es gibt Menschen, die helfen wollen, und Menschen, die dringend Hilfe brauchen“, bringt es Schoeller auf den Punkt. „Was fehlt, sind die Strukturen, um diese beiden Seiten zusammenzubringen.“ Wenn die Steiermark jetzt nicht handelt, droht eine Reform, die auf dem Papier gut aussieht, in der Realität aber an fehlenden Ausbildungsplätzen scheitert. Nachhaltige Gesundheitspolitik bedeutet, Versorgung ganzheitlich zu denken – von der Ausbildung bis zur Behandlung. 

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