Energie Steiermark: Privater Partner kann eine Chance sein
Die Energie Steiermark will über eine Kapitalerhöhung einen privaten Partner hereinholen. Das kann zusätzliche Milliardeninvestitionen ermöglichen und neue Kontrolle ins Unternehmen bringen. Entscheidend ist aber, zu welchem Preis und mit welchen Rechten der Einstieg erfolgt.
-1125x632.jpg)
Was macht die Energie Steiermark eigentlich?
Die Energie Steiermark ist eines der wichtigsten Infrastrukturunternehmen des Landes. Sie verkauft Strom und Gas, betreibt über Tochtergesellschaften das steirische Strom- und Gasnetz und versorgt Regionen mit Fernwärme. Gleichzeitig investiert sie in erneuerbare Energie aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse sowie in Speicher, Wasserstoff, Breitband und Elektromobilität.
Allein das Stromnetz umfasst rund 31.500 Kilometer, das Gasnetz rund 4.200 Kilometer. Der Konzern beschäftigt mehr als 2.200 Mitarbeiter und betreut rund 600.000 Kunden im In- und Ausland.
Die Energie Steiermark ist damit nicht irgendeine Landesbeteiligung. Sie ist zentral für Versorgungssicherheit, Energiewende und Wirtschaftsstandort verantwortlich.
Warum jetzt ein privater Partner gesucht wird
Die kommenden Jahre werden teuer. Zwischen 2025 und 2035 will die Energie Steiermark insgesamt 5,8 Milliarden Euro investieren, unter anderem in Stromnetze, erneuerbare Strom- und Wärmeerzeugung, Speicher und Wasserstoff.
2025 wurden bereits mehr als 350 Millionen Euro investiert. Gleichzeitig erwirtschaftete das Unternehmen ein operatives Ergebnis von rund 123 Millionen Euro und schüttete 75 Millionen Euro Dividende an das Land aus.
Um das Investitionsprogramm schneller umzusetzen, soll nun neues Eigenkapital ins Unternehmen kommen. Geplant ist eine Kapitalerhöhung um rund 25 Prozent. Das bedeutet: Das Land verkauft keine bestehenden Aktien. Stattdessen werden neue Aktien ausgegeben und ein neuer Partner zahlt frisches Geld direkt in das Unternehmen ein.
Das Land soll weiterhin klarer Mehrheitseigentümer bleiben.
2023 kaufte das Land die Energie Steiermark vollständig zurück
Die heutige Situation hat eine Vorgeschichte. Bis 2023 hielt das Land rund 75 Prozent der Energie Steiermark. Die übrigen gut 25 Prozent gehörten über eine Gesellschaft dem internationalen Infrastrukturinvestor Macquarie. Als dieser aussteigen wollte, machte das Land von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch und kaufte die Beteiligung für 525 Millionen Euro zurück. Mit Nebenkosten und Finanzierung waren bis zu rund 540 Millionen Euro vorgesehen.
Seitdem gehört die Energie Steiermark wieder zu 100 Prozent dem Land. Schon damals war allerdings angekündigt worden, dass dieser Zustand nicht dauerhaft bleiben müsse und später wieder ein geeigneter Partner einsteigen könnte.
Warum NEOS den Rückkauf damals kritisch gesehen haben
NEOS haben den Rückkauf 2023 nicht unterstützt. Kritisiert haben wir besonders, dass das Land mehr als eine halbe Milliarde Euro Steuergeld einsetzt, obwohl gleichzeitig bereits angekündigt war, später wieder Anteile abzugeben.
Vor allem aber ging es um Kontrolle und politischen Einfluss. NEOS forderten damals unter anderem öffentliche Ausschreibungen und Hearings für Aufsichtsratsposten, die Veröffentlichung relevanter Gutachten, stärkere externe Kontrolle und klare Regeln für Dividenden. Die zentrale Sorge: Die Energie Steiermark dürfe nicht wieder zum Spielball der Landespolitik werden.
Wie viel Politik steckt heute im Unternehmen?
Als Alleineigentümer bestimmt das Land die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat. Genau hier zeigt sich die politische Dimension besonders deutlich. Für die jetzige Aufsichtsratsperiode wurden 2025 vier Kapitalvertreter von der FPÖ und vier von der ÖVP namhaft gemacht. Im derzeitigen Aufsichtsrat sitzen damit neben Arbeitnehmervertretern acht vom Eigentümer bestellte Kapitalvertreter.
Für NEOS ist genau das ein Argument dafür, warum ein externer Partner auch bei der Unternehmensführung Vorteile bringen kann. Ein privater Miteigentümer würde eigene Interessen und üblicherweise auch eigene Vertreter in die Kontrolle des Unternehmens einbringen. Das kann zusätzliche Kontrolle schaffen und den unmittelbaren parteipolitischen Zugriff des Landes reduzieren.
Ein privater Partner ist kein Selbstzweck
Deshalb bewertet NEOS die geplante Kapitalerhöhung grundsätzlich anders als den Rückkauf 2023. Entscheidend ist nicht, ob ein Unternehmen zu 100 oder 75 Prozent dem Land gehört. Entscheidend ist, ob es gut geführt wird, genügend investieren kann und politische Einflussnahme möglichst gering bleibt.
Dafür müssen aber klare Bedingungen gelten:
- Die Energie Steiermark darf nicht unter Wert abgegeben werden. 2023 hat das Land mehr als eine halbe Milliarde Euro für gut 25 Prozent bezahlt. Drei Jahre später muss die Unternehmensbewertung transparent und nachvollziehbar sein.
- Das frische Geld muss tatsächlich im Unternehmen bleiben und in Netze, erneuerbare Energie, Speicher und Versorgungssicherheit fließen. Es darf nicht dazu dienen, Löcher im Landesbudget zu stopfen.
- Es muss offengelegt werden, welche Mitspracherechte der neue Partner bekommt - insbesondere im Aufsichtsrat und bei strategischen Entscheidungen.
- Das Land soll Mehrheitseigentümer bleiben und damit bei zentralen Fragen der steirischen Energieversorgung weiterhin Verantwortung tragen.
Mehr Investitionen, weniger Parteipolitik
Niko Swatek fasst diese Position so zusammen: „Ein privater Partner muss der Energie Steiermark mehr Investitionen in Netze und erneuerbare Energie und weniger Parteipolitik bringen.“
Ob das gelingt, hängt jetzt von der Bewertung des Unternehmens, der Auswahl des Partners und den konkreten Verträgen ab. Genau diese Punkte müssen transparent auf den Tisch.

-1500x843-1500x843.jpg)
%20(2)-1875x1054-1875x1054.jpg)
