Rekordeinnahmen, Rekordschulden – und der Tourismus soll zahlen
Trotz Einnahmen in Rekordhöhe wächst der steirische Schuldenberg weiter. Gleichzeitig plant die Landesregierung eine kräftige Erhöhung der Nächtigungsabgabe. Für Hotels, Pensionen und Campingplätze bedeutet das zusätzlichen Druck.
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Mehr Geld als je zuvor – trotzdem neue Schulden
Die Zahlen des Landesbudgets 2027 zeigen ein deutliches Bild: Die Steiermark rechnet mit Einnahmen von 8,86 Milliarden Euro. Das sind rund 446 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig steigen die Ausgaben auf 9,45 Milliarden Euro. Unterm Strich fehlen damit weitere 594 Millionen Euro.
Bis Ende 2027 wird der Schuldenstand auf rund 8,86 Milliarden Euro anwachsen. Allein für Zinsen muss das Land im kommenden Jahr bereits 190 Millionen Euro aufbringen. Geld, das an anderer Stelle fehlt.
Zwar fällt die geplante Neuverschuldung niedriger aus als 2026. Das liegt aber vor allem an den deutlich höheren Einnahmen. Die Ausgaben steigen weiterhin, und die für den Stabilitätspakt notwendige Grenze wird um rund 253,6 Millionen Euro verfehlt – wenn man das Maastricht-Defizit betrachtet.
Für uns NEOS ist deshalb klar: Die Steiermark braucht endlich Reformen, die ihre Ausgaben dauerhaft in den Griff bekommen. Mehr Einnahmen allein lösen das Problem nicht.
Jetzt sollen die Gäste zahlen
Statt die großen Reformen konsequent anzugehen, setzt die Landesregierung auf zusätzliche Einnahmen. Besonders deutlich wird das bei der geplanten Erhöhung der Nächtigungsabgabe.
In Hotels und Pensionen soll die Abgabe von den bereits beschlossenen 2,80 Euro auf 4,90 Euro pro Person und Nacht steigen. Auf Campingplätzen ist eine Anhebung von 2,20 auf 3,90 Euro vorgesehen. Das wäre ein Anstieg um über 75 Prozent.
Was auf den ersten Blick nach wenigen Euro klingt, summiert sich schnell. Ein Paar, das zwei Wochen auf einem steirischen Campingplatz verbringt, müsste allein durch diese zusätzliche Erhöhung 47,60 Euro mehr bezahlen.
Die Landesregierung verspricht sich davon zusätzliche Einnahmen. Für die Betriebe stellt sich hingegen die Frage, wie sie mit den höheren Kosten umgehen sollen.
Höhere Preise oder weniger Einnahmen: Die Betriebe verlieren Spielraum
Für die Tourismusbetriebe entsteht eine schwierige Situation. Geben sie die höhere Abgabe vollständig an ihre Gäste weiter, verteuert sich der Aufenthalt. Versuchen sie hingegen, den Endpreis durch Preisnachlässe stabil zu halten, bleibt ihnen selbst weniger Geld.
Gerade für kleinere Pensionen, familiengeführte Beherbergungsbetriebe und Campingplätze kann das zum Problem werden. Sie stehen im Wettbewerb mit anderen Urlaubsregionen und müssen ihre Preise sorgfältig kalkulieren.
Ein Blick über die Grenze zeigt, wie unterschiedlich die Belastungen ausfallen können. Auf ausgewählten Campingplätzen in Slowenien beträgt die Nächtigungsabgabe beispielsweise 1,25 Euro pro Person und Nacht, am Kalterer See in Südtirol 2 Euro. Die geplanten 3,90 Euro in der Steiermark liegen deutlich darüber.
Natürlich entscheidet nicht allein die Nächtigungsabgabe darüber, wo Menschen Urlaub machen. Aber sie beeinflusst den Gesamtpreis und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe.
Hinzu kommt die fehlende Planungssicherheit: Viele Urlaubsangebote und Buchungen für 2027 werden bereits jetzt kalkuliert. Eine weitere Abgabenerhöhung erschwert diese Planung zusätzlich.
Der Tourismus ist keine beliebige Einnahmequelle
Die Landesregierung begründet die Erhöhung unter anderem damit, zusätzliche Mittel für den Tourismus bereitzustellen und das Landesbudget zu stärken.
Investitionen in einen attraktiven Tourismusstandort sind wichtig. Doch die Betriebe und ihre Gäste leisten bereits heute einen erheblichen Beitrag zur regionalen Wirtschaft. Hotels, Pensionen und Campingplätze sichern Arbeitsplätze, während ihre Gäste auch Gastronomie, Handel und zahlreiche Freizeitangebote nutzen.
Wer den Tourismus stärken will, muss deshalb auch seine Wettbewerbsfähigkeit im Blick behalten. Immer höhere Abgaben sind dafür aus unserer Sicht der falsche Weg.
Zuerst reformieren, statt immer mehr kassieren
Die eigentliche Herausforderung liegt im Landeshaushalt. Die Steiermark braucht eine effizientere Verwaltung, weniger Doppelgleisigkeiten, eine kritische Überprüfung ihrer Förderstrukturen und klare Prioritäten bei den Ausgaben.
Genau dort muss die Landesregierung ansetzen, anstatt ihre Budgetprobleme durch zusätzliche Belastungen für Betriebe und Gäste lösen zu wollen.
Wir NEOS lehnen die geplante weitere Erhöhung der Nächtigungsabgabe deshalb ab und werden uns auch im Zuge der Budgetberatungen 2027 dagegen einsetzen.
Die Steiermark braucht einen starken Tourismus und solide Landesfinanzen. Beides erreicht man durch echte Reformen – nicht dadurch, dass man den Betrieben und ihren Gästen immer tiefer in die Tasche greift.

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