Pro Sonntagsöffnung: Damit das letzte Geschäft im Ort nicht zusperrt
Immer mehr kleine Orte verlieren ihren letzten Lebensmittel-Nahversorger. Wir wollen ihnen deshalb mehr Freiheit geben: Wenn kein angestelltes Personal benötigt wird, sollen sie auch an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen.

Wenn der letzte Nahversorger zusperrt
Ein Lebensmittelgeschäft am Land ist mehr als ein Ort, an dem man Milch und Brot kauft. Es sichert die Grundversorgung, belebt den Ortskern und ist für viele Menschen ein wichtiger Treffpunkt.
Doch genau diese Nahversorger geraten immer stärker unter Druck. 2023 lebten bereits 42.314 Steirerinnen und Steirer in Gemeinden ohne Lebensmittel-Nahversorger. Besonders kleine Orte sind betroffen: Österreichweit haben 69 Prozent der Gemeinden mit weniger als 500 Einwohner keinen Nahversorger mehr.
Wenn das letzte Geschäft zusperrt, bedeutet das gerade für ältere Menschen oder Menschen ohne Auto oftmals anstrengende Wege für den täglichen Einkauf.
Ein Geschäft, das öffnen könnte – aber nicht darf
Wie widersinnig die derzeitigen Regeln sein können, zeigt Martina Pöschl in Hirschegg. Sie hat ihren Nah-&-Frisch-Markt mit rund 25.000 Euro zu einem Hybridmarkt umgebaut. Außerhalb der personalbesetzten Zeiten können Kund selbstständig ins Geschäft, einkaufen und an der Selbstbedienungskasse bezahlen.
Die Nachfrage ist da, von Einheimischen ebenso wie von Gästen. Trotzdem darf der Selbstbedienungsbereich am Sonntag nur aufgrund einer saisonalen Ausnahme im Winter öffnen.
Dabei wäre gerade diese zusätzliche Öffnungszeit für einen kleinen Betrieb wertvoll. Pöschl bringt es auf den Punkt: „Für kleine Geschäfte wie uns wäre es enorm wichtig, auch am Sonntag Umsätze erzielen zu können – ohne hohe Personalkosten.“
Vorarlberg zeigt, dass es geht
Andere Bundesländer sind bereits weiter. In Vorarlberg dürfen kleine Lebensmittelgeschäfte in 65 ländlichen Gemeinden und Ortsteilen seit Juli an Sonn- und Feiertagen von 7 bis 18 Uhr öffnen. Voraussetzung ist unter anderem, dass kein angestelltes Personal eingesetzt wird. Das stärkt genau jene Geschäfte, die in kleinen Gemeinden die Versorgung aufrechterhalten, und zeigt, dass auch die Steiermark handeln könnte.
Automaten ja, Nahversorger nein?
Die derzeitige Situation ist schwer nachvollziehbar: Ein Automat kann am Sonntag Waren verkaufen. Ein moderner Hybridmarkt, in dem Kund ohne Personal selbst einkaufen und bezahlen, wird dagegen durch starre Öffnungszeiten eingeschränkt.
Für unseren Klubobmann Niko Swatek ist klar: „Wir bremsen genau die Betriebe aus, die in unseren Regionen Verantwortung übernehmen.“
Auch das Regierungsprogramm auf Bundesebene sieht bereits eine Liberalisierung vor: Nahversorger, die vollständig oder in Randzeiten digital und ohne angestelltes Personal betrieben werden, sollen künftig vom Öffnungszeitengesetz ausgenommen werden.
Die Steiermark soll voran gehen
Wir wollen deshalb auf beiden Ebenen handeln. Der Bund muss die angekündigte Liberalisierung rasch umsetzen. Gleichzeitig soll sich die Steiermark an Vorarlberg orientieren und von ihren eigenen Möglichkeiten Gebrauch machen.
Unser Ziel ist einfach: Kleine Nahversorger sollen mehr Freiheit bekommen, wenn dadurch keine Arbeitnehmer zusätzlich belastet werden.
Denn bevor das letzte Geschäft im Ort endgültig zusperrt, sollte die Politik lieber Regeln lockern, die längst nicht mehr zu unserer Lebensrealität passen.

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