Braucht Puch eine Amtsleitung? Mein Antrag – und warum er abgelehnt wurde
Puch bei Weiz: Wer bin ich, und wo will ich hin?
Gerade entsteht im Ortszentrum ein neuer Kindergarten mit Kinderkrippe – ein rund 6-Millionen-Euro-Projekt, Baustart heuer, Bezug im Herbst 2027. Ein guter Anlass, um eine größere Frage zu stellen, die wir uns als Gemeinde selten in Ruhe stellen: Was will Puch in 20 Jahren eigentlich sein?
Ein Blick auf die Zahlen
Puchs Bevölkerung stagniert seit über 20 Jahren, leicht rückläufig: rund 2.180 Einwohner:innen im Jahr 2001, heute rund 2.050. Die Zahl der Kinder unter 15 ist seit 2001 um fast ein Drittel gesunken – hat sich zuletzt aber stabilisiert. Gleichzeitig hat sich die Zahl der über 65-Jährigen in derselben Zeit fast verdoppelt. Und der vielleicht wichtigste Einzelbefund: Seit rund 15 Jahren wächst Puch, wo überhaupt, nur noch durch Zuzug – nicht mehr, weil hier mehr Menschen geboren werden als sterben.
Wir haben uns das schon einmal vorgenommen
Was viele vielleicht gar nicht mehr wissen: Puch hat bereits 2021 ein Gemeindeentwicklungskonzept mit Maßnahmenplan beschlossen – Basis waren vier Workshops mit 33 Bürger:innen zwischen Jänner und März 2019, begleitet von Fachleuten des Instituts für Kommunalentwicklung. Darin wurde die Ortskern-Entwicklung ausdrücklich zum Hauptprioritätsbereich erklärt: Ein "ortsräumliches Entwicklungskonzept durch Fachleute" sollte erarbeitet werden, auf einer gesicherten Fläche von rund 10.300 m², mit Start des Planungsprozesses "ideal mit Bürgerbeteiligung" – geplant für 2022.
Fünf Jahre später ist von diesem Vorhaben, außer einem Spielplatz und ein paar kleineren Maßnahmen, öffentlich nichts sichtbar geworden. Der Kindergarten-Neubau, der jetzt entsteht, war zwar im selben Plan schon angelegt – aber als Einzelprojekt, nicht als Teil des großen, damals versprochenen Ortskern-Konzepts.
Eine Halle, die fehlt
Ein Beispiel, an dem sich das zeigt: Puch hat keine Mehrzweckhalle – das war 2021 nicht einmal Teil des Plans. Heute behelfen wir uns damit, die Volksschule für Veranstaltungen wie den Sportlerball oder das Heimatklang-Frühjahrskonzert herzunehmen. Eine Schule ist dafür aber nicht gebaut, und ich finde, sie sollte auf Dauer nicht für solche Zwecke zweckentfremdet werden. Das ist kein neues Anliegen – aber ein Beispiel dafür, dass Infrastrukturfragen, die eigentlich zusammengehören (Bildung, Vereinsleben, Veranstaltungsräume), bisher getrennt und ohne Gesamtbild behandelt wurden.
Und die Vereine?
Auch bei der Bürgerbeteiligung lohnt ein genauer Blick: Im Maßnahmenplan 2021 wird kein einziger Verein namentlich als eingebundener Partner genannt. Beteiligt war eine repräsentative Auswahl von Bürger:innen, dazu eine Jugendbefragung. Gerade unsere Vereine – ob Sportverein, Musikverein oder Feuerwehr – kennen die tatsächlichen Bedürfnisse vor Ort oft am besten. Sie sollten bei der nächsten Auflage nicht nur mitgedacht, sondern von Anfang an eingebunden werden.
Mein Vorschlag
Nichts davon ist ein Vorwurf an den laufenden Kindergarten-Neubau – der ist richtig und notwendig. Aber er ist der ideale Anlass, ein Versprechen einzulösen, das sich die Gemeinde 2021 selbst gegeben hat: einen echten Ortskern-Masterplan, der Bildungsinfrastruktur, eine Mehrzweckhalle für unser Vereinsleben und die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung gemeinsam denkt – erarbeitet mit echter, strukturierter Einbindung unserer Vereine und Bürger:innen, nicht nur auf dem Papier.
Puch hat sich diesen Weg schon einmal vorgenommen. Es wird Zeit, ihn zu Ende zu gehen.

