Unser Plan für das Pölstal

Die Marktgemeinde Pölstal existiert seit dem Jahr 2015, dennoch gibt es in der Bevölkerung nach wie vor Vorbehalte, da sie weder auf die Zusammenlegung vorbereitet noch in den Fusionierungsprozess eingebunden wurde. Das Fazit in unserer Gemeinde ist ernüchternd: Die Fusionierung hat wenig bis keine Einsparungen gebracht. Es bestehen nach wie vor unnötige Doppelgleisigkeiten.

Der Grund hierfür liegt unserer Ansicht nach darin, dass die Großgemeinde im selben Stil “verwaltet” wird, wie zuvor die jeweiligen Ortsteile. Die Einsparungspotenziale sowie die Möglichkeiten zu effizienterem Arbeiten wurden nicht erkannt. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für das Pölstal, das alle Ortsteile miteinbezieht und die zukunftsweisende Ausrichtung unserer Marktgemeinde beschreibt. Damit dieser Plan gelingt, schlagen wir folgende Punkte vor:

 

Mehr Bürgerbeteiligung

Die nach wie vor anhaltende Unzufriedenheit der Pölstaler_innen nach der Fusionierung lässt sich unter anderem auf die fehlende Kommunikation zurückführen. Die Bevölkerung wurde auf diesen Prozess weder ausreichend vorbereitet noch eingebunden. Das muss sich ändern! Unserer Ansicht nach muss die Bevölkerung bei der zukünftigen Ausrichtung unserer Gemeinde zwingend miteingebunden werden – und zwar in die Planungsphase, aber auch in den Entscheidungsprozess an sich. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Maßnahmen von den Pölstaler_innen mitgetragen werden. Die Bürgerbeteiligung muss einen höheren Stellenwert erhalten – erst dann kann sich die Bevölkerung mit der Großgemeinde Pölstal identifizieren. In diesen Planungsprozess müssen ALLE Ortsteile eingebunden werden, damit die Identitäten der jeweiligen Ortsteile und deren Charakteristika nicht verloren gehen. Als ersten Schritt schlagen wir die Etablierung eines sogenannten “Bürgermeistercafés” vor – ein wiederkehrendes Treffen, bei dem die Pölstaler_innen bei Kaffee und Kuchen mit dem Bürgermeister und/oder Vertretern des Gemeinderats über ihre Wünsche, Sorgen und Anregungen plaudern können.

 

Mehr Digitalisierung

Unsere Gemeinde muss digital(er) werden. Die Digitalisierung schreitet voran und hat überall in unserem Alltag Einzug gehalten. Fast jeder Arbeitsplatz hat heute digitale Aspekte. Auch unsere Freizeit wird von digitalen Medien und Techniken zunehmend bestimmt. Nur unsere Gemeinde hinkt hinterher. Das muss sich ändern! Die Gemeinde Pölstal verfügt zwar über eine Homepage und eine eigene Gemeinde-App, doch sind diese weder benutzerfreundlich (da äußerst unübersichtlich) noch aktuell. Die sozialen Medien werden überhaupt nicht genutzt, obwohl ein Großteil der Bevölkerung auf diesem Wege erreicht werden könnte. Als ersten Schritt setzen wir uns dafür ein, dass die Gemeinderatsprotokolle digital zur Verfügung gestellt werden. Diese werden seit Februar 2018 (!) nicht mehr auf der Gemeindehomepage veröffentlicht.

Weiters muss es möglich sein, die Gemeinde auch außerhalb der doch begrenzten Öffnungszeiten – diese sind Mo-Fr 08:00 – 12:00 Uhr und Mi 13:00-16:00 Uhr – zu erreichen. Seien wir uns ehrlich, wer von uns hat die zeitlichen Kapazitäten, persönlich zu den Amtszeiten in der Gemeinde vorbeizukommen? Die einen müssen für die einfachsten Behördengänge Urlaub in Anspruch nehmen, die anderen benötigen ein “Taxi” zum Gemeindeamt, da sie nicht mobil sind – und das im 21. Jahrhundert. Die Digitalisierung kann aber auch helfen, den Verwaltungsaufwand und damit die Kosten zu senken, indem Anfragen der Bevölkerung digital bearbeitet und beantwortet werden können. Das spart Zeit, Geld und vor allem Nerven.

 

Wohnraum

Unser Pölstal ist – wie viele anderen Gemeinden in unserer Region auch – von zunehmender Abwanderung betroffen. Das muss nicht so sein! Trotz peripherer Lage profitiert unsere Gemeinde nicht nur von einer traumhaften Landschaft sondern auch von der guten Anbindung in die umliegenden Städte wie Leoben und Graz. Dass der Wohnraum in den Ballungszentren zunehmend unleistbar wird, sollte unsere Region als Chance sehen, Jungfamilien und Unternehmen anzusiedeln. Wenn wir dem Abwanderungstrend entgegenwirken wollen, müssen wir uns daher für leistbaren Wohnraum einsetzen. Derzeit sieht die Wohnsituation im gesamten Pölstal eher bescheiden aus. Die verfügbaren Wohnungen sind meist viel zu teuer, dringend sanierungsbedürftig oder sogar beides. Es ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß, Wohnungen ohne Küche zu vermieten.

Trotz des akuten Handlungsbedarfs wurden von Seiten der Gemeinde bis dato keine Handlungen gesetzt, um attraktiven Wohnraum zu schaffen; und dies, obwohl zahlreiche Gebäude in den Ortszentren leer stehen. Dieses Thema wird allenfalls kurz vor den Wahlen politisch diskutiert; eine wirkliche Wohnraumschaffung scheiterte meist am Geld. In unserem Pölstal fehlt es vor allem an kleinen, günstigen Wohnungen für junge und ältere wie alleinstehende Menschen. Dieses System der sogenannten “Starterwohnungen” kann und muss in allen Ortsteilen umgesetzt werden. Dafür werde ich mich als Gemeinderätin einsetzen!

Athanasia Toursougas-Reif, Mai 2020